Von Barron Hansen, Gründer · Aktualisiert am 8. Oktober 2026
Was bedeutet Net 90? Zahlungsbedingungen erklärt
Net 90 bedeutet, dass der volle Rechnungsbetrag innerhalb von 90 Tagen fällig ist. Das sind 30 Tage mehr als die 60, ab denen § 271a BGB eine vereinbarte Zahlungsfrist zwischen Unternehmen nur noch gelten lässt, wenn sie ausdrücklich vereinbart und für den Gläubiger nicht grob unbillig ist. Net 90 ist damit eine Frist, die das Gesetz nicht einfach hinnimmt, und gegenüber einem öffentlichen Auftraggeber ist sie unwirksam.
Dieser Ratgeber erklärt, woran sich "grob unbillig" messen lässt, wie Abschlags- und Ratenzahlungen die lange Wartezeit verkürzen und was ein Quartal Vorfinanzierung kostet.
Wie Net 90 datiert wird
Neunzig Tage Zahlungsziel auf den ganzen Rechnungsbetrag: Bei einer Rechnung vom Mittwoch, 1. April 2026, ist Tag 90 der Dienstag, 30. Juni 2026, ein gewöhnlicher Arbeitstag.
Neunzig Kalendertage sind 12 Wochen und 6 Tage. Ein Quartal ist das nicht: Drei Kalendermonate dauern je nach Jahreszeit 89 bis 92 Tage, und das BGB rechnet Monatsfristen nach eigenen Regeln. Der Net 90 Rechner bestimmt den Termin ab jedem Rechnungsdatum.
Als Arbeitstage gelesen wird die Frist bei einer Woche von Montag bis Freitag um mehr als einen Monat länger: 18 Arbeitswochen sind, ab einem Arbeitstag gezählt und ohne Feiertag, 126 Kalendertage, nie weniger als 124. Ab dem 1. April 2026 ist der 90. Arbeitstag im bundesweiten Kalender der Mittwoch, 12. August 2026, 133 Kalendertage später.
Was eine Frist über 60 Tage braucht
Den Wortlaut des § 271a Abs. 1 BGB zitiert der Ratgeber zu Net 60. Für Net 90 kommt es auf seine zwei Bedingungen an: Die 90 Tage müssen ausdrücklich vereinbart sein, und sie dürfen im Hinblick auf die Belange des Gläubigers nicht grob unbillig sein.
Was "grob unbillig" heißt. Das BGB umschreibt diesen Maßstab nicht näher. Die Richtlinie 2011/7/EU nennt in Artikel 7 die Umstände, die bei der Prüfung einer Zahlungsfrist auf grobe Benachteiligung des Gläubigers zu berücksichtigen sind: jede grobe Abweichung von der guten Handelspraxis, die gegen Treu und Glauben und den Grundsatz des redlichen Geschäftsverkehrs verstößt, die Art der Ware oder Dienstleistung und ob der Schuldner einen objektiven Grund hat, von der 60-Tage-Frist abzuweichen.
Gegenüber einer Behörde. Bei einem öffentlichen Auftraggeber im Sinne von § 99 Nr. 1 bis 3 GWB hilft keine Begründung: Mehr als 60 Tage sind nach § 271a Abs. 2 Nr. 2 BGB unwirksam, Net 90 wirkt dort nicht.
In anderen Ländern. Spaniens Ley 3/2004 lässt in Artikel 4.3 eine vereinbarte Frist über 60 Kalendertage überhaupt nicht zu. Artikel 12 Absatz 3 der Richtlinie erlaubt den Mitgliedstaaten, für den Gläubiger günstigere Regeln zu haben.
Raten statt einer langen Frist
§ 271a BGB lässt eine andere Struktur ausdrücklich offen: Nach Abs. 5 Nr. 1 gelten die Absätze 1 bis 3 nicht für die Vereinbarung von Abschlagszahlungen und sonstigen Ratenzahlungen. Die Richtlinie sagt in Artikel 5 dasselbe und berechnet Zinsen und Entschädigung dann nur auf die überfälligen Beträge. Eine Vereinbarung über etwa 50 Prozent bei Auftrag und 50 Prozent mit Net 90 halbiert den Betrag, den der Verkäufer über die volle Frist vorfinanziert.
Tag 90 an Pfingstmontag
Eine Rechnung vom Dienstag, 24. Februar 2026, erreicht Tag 90 am Montag, 25. Mai 2026, dem Pfingstmontag. Über § 193 BGB rückt das Fristende auf Dienstag, 26. Mai 2026. In den USA ist derselbe Montag Memorial Day, in England und Wales der Spring Bank Holiday, in Spanien dagegen ein gewöhnlicher Arbeitstag. Der Rechnungsfälligkeits-Rechner markiert einen Termin auf einem Feiertag des gewählten Landes.
Was ein Quartal Vorfinanzierung kostet
Ein Quartal Kredit kostet dreimal so viel wie ein Monat. Wer sein Geld zu 10 Prozent im Jahr bekommt, trägt für eine Rechnung über 10.000 € bis Tag 90 rechnerisch 10.000 € x 0,10 x 90 / 365, rund 247 €, und hat bei pünktlichen Kunden etwa einen Quartalsumsatz in offenen Forderungen.
Darum ist ein Skonto bei so langer Frist für den Käufer billig auszuschlagen. "2/10 Net 90", ausgeschrieben "2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, netto 90 Tage", bietet 2 Prozent Abzug bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen. Wer verzichtet, behält 98 Prozent des Betrags 80 Tage länger, rechnerisch zu (2 / 98) x (365 / 80), rund 9,3 Prozent im Jahr, gegenüber 37,2 Prozent bei 2/10 Net 30. Der Skonto-Rechner rechnet beliebige Konditionen.
Wenn eine Net-90-Rechnung zu spät bezahlt wird
Im Verzug gelten die Zinsen und die 40-Euro-Pauschale des § 288 BGB, die der Ratgeber zu Net 30 erklärt; nach § 288 Abs. 3 BGB kann der Gläubiger aus einem anderen Rechtsgrund, etwa einer vertraglichen Zinsklausel, höhere Zinsen verlangen. Der Verzugszinsrechner rechnet die Tage des Verzugs aus. Die Ratgeber zu Net 15 und Net 45 behandeln die kürzeren Fristen.
FAQ
Ist Net 90 in Kalendertagen oder Arbeitstagen gemeint?
Ohne andere Abrede in Kalendertagen. Als Arbeitstage gelesen sind es bei einer Woche von Montag bis Freitag, ab einem Arbeitstag gezählt, 126 Kalendertage und nie weniger als 124, ab dem 1. April 2026 sogar 133.
Was passiert, wenn ein Net-90-Termin auf ein Wochenende oder einen Feiertag fällt?
Das Fristende rückt nach § 193 BGB auf den nächsten Werktag, wenn der Vertrag nichts anderes vorsieht: Die Rechnung vom 24. Februar 2026 ist statt am Pfingstmontag, 25. Mai, am Dienstag, 26. Mai 2026, zu bezahlen.
Ist Net 90 nach § 271a BGB zulässig?
Nur unter Bedingungen. Zwischen Unternehmen ist eine Frist über 60 Tage nach § 271a Abs. 1 BGB nur wirksam, wenn sie ausdrücklich vereinbart und für den Gläubiger nicht grob unbillig ist. Gegenüber einem öffentlichen Auftraggeber ist sie nach § 271a Abs. 2 Nr. 2 BGB unwirksam. Für Abschlags- und Ratenzahlungen gelten diese Grenzen nach Abs. 5 Nr. 1 nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Net 90 und drei Monaten?
Net 90 sind 90 Tage, gezählt nach den §§ 187 und 188 Abs. 1 BGB oder nach dem Vertrag. Drei Kalendermonate sind 89 bis 92 Tage, und eine Frist nach Monaten endet nach § 188 Abs. 2 BGB mit dem Tag des letzten Monats, dessen Zahl dem Anfangstag entspricht. Nur bei manchen Rechnungen fallen beide Termine zusammen.
Kann ich bei überfälligen Net-90-Rechnungen Verzugszinsen verlangen?
Ja, sobald der Schuldner in Verzug ist: Nach § 288 Abs. 2 BGB beträgt der Zinssatz für Entgeltforderungen bei Rechtsgeschäften ohne Verbraucherbeteiligung neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, und § 288 Abs. 5 BGB gibt gegenüber einem Schuldner, der kein Verbraucher ist, eine Pauschale von 40 Euro. Nach § 288 Abs. 3 BGB kann der Gläubiger aus einem anderen Rechtsgrund höhere Zinsen verlangen.
Quellen zu diesem Ratgeber
- § 187 BGB, Fristbeginn (Bundesministerium der Justiz)
- § 188 BGB, Fristende (Bundesministerium der Justiz)
- § 193 BGB: Sonntag, Feiertag oder Sonnabend rückt auf den nächsten Werktag (Bundesministerium der Justiz (Gesetze im Internet))
- § 271a BGB: Zahlungsfristen über 60 Tage nur ausdrücklich vereinbart und nicht grob unbillig; gegenüber öffentlichen Auftraggebern über 60 Tage unwirksam; nicht bei Verbrauchern (Bundesministerium der Justiz (Gesetze im Internet))
- § 288 BGB: Verzugszinsen; ohne Verbraucherbeteiligung neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (Abs. 2), Pauschale von 40 Euro (Abs. 5) (Bundesministerium der Justiz (Gesetze im Internet))
- Directive 2011/7/EU, Article 5: payment schedules providing for instalments; interest and compensation calculated solely on overdue amounts (The National Archives (legislation.gov.uk), Official Journal text)
- Directive 2011/7/EU, Article 7: a grossly unfair term on the payment date or period is unenforceable or gives rise to damages; circumstances (a) gross deviation from good commercial practice, (b) nature of the product or service, (c) objective reason to deviate (The National Archives (legislation.gov.uk), Official Journal text)
- Directive 2011/7/EU, Article 12(3): member states may maintain or bring into force provisions more favourable to the creditor (The National Archives (legislation.gov.uk), Official Journal text)
- Art. 4 de la Ley 3/2004: treinta días naturales si el contrato no fija plazo (4.1), nunca más de 60 por pacto (4.3), y agrupación de facturas por períodos de hasta quince días contando desde la mitad del período (4.4) (Boletín Oficial del Estado)
Geprüft am 11. Oktober 2026. Alle Quellen